05./06.12. | Fachkonferenz “Postmigrantische Allianzen – Kommunikation für Pluralität und gesellschaftlichen Zusammenhalt” | Leipzig

05.12. 16:30 – 06.12. 15:00 Vortragssaal der Bibliotheca Albertina
Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig

Das Präfix „post“ in postmigrantisch steht nicht für das Ende der Migration, sondern beschreibt gesellschaftliche Aushandlungsprozesse, die in der Phase nach der Migration erfolgen. Im Einwanderungsland Deutschland, in dem ein Viertel der Bevölkerung Migrationshintergrund hat (23,6% laut Statistischem Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2018), erleben wir diese Aushandlungsprozesse über Zugehörigkeit, kollektive Identitäten, Partizipation und Chancengleichheit. Strukturen, Institutionen und politische Kulturen werden nachholend (also postmigrantisch) an die erkannte Migrationsrealität nach und nach angepasst. Das hat mehr Durchlässigkeit und soziale Aufstiege, aber auch Abwehrreaktionen und Verteilungskämpfe zur Folge. Neue Deutsche, Eingewanderte und ihre Nachkommen nehmen immer häufiger für sich in Anspruch, das kollektive Narrativ mitzuprägen.

Wir müssen uns nicht in allem einig sein, wir müssen uns nicht einmal mögen. Aber wir wissen um die Kraft der Allianzen. Also schaffen wir unsere eigenen Strukturen, und wenn wir in Gefahr sind, werden wir uns aufeinander verlassen können.

Sasha Marianna Salzmann, „Sichtbar“ in „Eure Heimat ist unser Albtraum“ (2019)

Die Fachkonferenz 2019

2019 schauen wir auf bestehende und mögliche Allianzen für eine offene, demokratische, vielfältige Gesellschaft. Aufbauend auf die Konferenz 2018 geht es in der 4. Konferenz vor allem um die Möglichkeit von Migrantinnen, selbst und selbstbestimmt als Autorinnen und Gestalterinnen aktiv zu sein – in und durch Allianzen gestärkt, medial und gesellschaftlich wirksam. Wir betrachten postmigrantische Allianzen aus unterschiedlichen Perspektiven, aus Sicht der Wissenschaft, der zivilgesellschaftlichen Organisationen, der Medien und der Politik. Dir Rolle von Medien hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung steht dabei im Mittelpunkt.

Mögliche Fragestellungen:

  • Was sind Voraussetzungen für Allianzen?
  • Wie lassen sich postmigrantische Allianzen als Formen der Solidarität beschreiben?
  • Worin können die Gemeinsamkeiten der Akteurinnen bestehen?
  • Wie kann ihre Haltung in den Medien und Medien-Produktionsstätten öffentlichkeitswirksam vermittelt und gestärkt werden?
  • Welche Strategien sind notwendig, um eine differenzierte Berichterstattung und Sichtbarkeit solcher Allianzen zu gewährleisten?
  • Welche Bedeutung messen Sie Allianzen bei?

„Sobald eine zweite Person, eine Kraft von außen zu Hilfe kommt, interveniert – und sei es nur mit einem einzigen Wort –, drehen sich die Kräfteverhältnisse. Eine Schieflage, die gegen mich drückt, gerät ins Wanken. Denn es geht um die Frage: Was ist normal?
Werden Menschen rassistisch beschimpft oder sonstwie beleidigt und niemand widerspricht, dann scheint es niemanden zu stören und etabliert sich so als Normalität. Wer schweigt, stimmt zu. […] Plötzlich denken wir, solche Schieflagen hinnehmen, aushalten zu müssen.“

Simone Dede Ayivi, Zitat aus dem Text „Zusammen“ in „Eure Heimat ist unser Albtraum“ (2019)

Die Veranstaltung startet mit Inputs aus der Wissenschaft und einer Lesung. Am zweiten Tag stellen sich Projekte aus unterschiedlichen Bereichen vor, die sich für eine offene Gesellschaft, für die Teilhabe und Rechte von Minderheiten einsetzen. In verschiedenen Formaten (Vortrag, Gespräch und Fishbowl–Diskussion) konkretisieren die Teilnehmenden ihre Themen, tauschen Erfahrungen aus, können Projektideen weiterentwickeln und Handlungsvorschläge formulieren.

Wir freuen uns auf interessante und fruchtbare Debatten!

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Die Fachkonferenz-Reihe

Seit 2016 veranstalten das Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur (ZEOK) e.V. und das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Uni Leipzig die Reihe „Migration, Medien und Partizipation“. Die Konferenz ist ein Forum an der Schnittstelle von Praxis und Wissenschaft und als solches das erste in Sachsen und Mitteldeutschland. Wir bringen Aktive aus Medien, Wissenschaft, Migrantenorganisationen, Zivilgesellschaft und Politik zusammen und diskutieren Handlungs- und mediale Kommunikationsspielräume, Repräsentation und Partizipation in der gegenwärtigen, postmigrantischen Gesellschaft, in Deutschland und insbesondere in Sachsen. Im Zentrum der Reihe steht der gesellschaftliche Zusammenhalt, also ein starkes gesellschaftliches Wir.

Die konkreten Ziele sind

  • Medien in Mitteldeutschland für die Themen Migration, Integration, Partizipation, Repräsentation und kulturelle Vielfalt zu sensibilisieren
  • Journalistinnen, Migrantinnen, Aktivistinnen, Bloggerinnen und Community-Media-Macherinnen zusammenbringen, um aus unterschiedlichen Perspektiven über die Rolle von Migrantinnen in den Medien zu diskutieren
  • Journalistinnen ermutigen, die Lebenswirklichkeit der Migrationsgesellschaft zu erkennen und in all ihren Programmen darzustellen, ohne deren Konflikte zu leugnen
  • Austausch zwischen den Mainstream- und Community Medien ermöglichen und Möglichkeiten der aktiven Partizipation an der Berichterstattung aufzeigen
  • Aktuelle Wissenschaftsdebatten und (internationale) empirische Studien- und Forschungsergebnisse, die sich mit dem Zusammenhang zwischen die massenmediale Kommunikation und Migration beschäftigen, praxisorientiert vorstellen und reflektieren

AnsprechpartnerInnen

Initiator und Akademische Leitung
Dr. Kefa Hamidi
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig
Forschungszentrum Entwicklungskommunikation – Communication for Social Change

Konferenzkoordination
Isabel Herling
ZEOK e.V. und Kulturwissenschaftlerin


Gefördert durch den Freistaat Sachsen im Rahmen des Landesprogramms Integrative Maßnahmen

Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur (ZEOK) e.V.

Das Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e.V. (ZEOK) aus Leipzig unterstützt mit Projekten in den Bereichen Bildung, Kunst und Kultur sowie der Entwicklungszusammenarbeit den kulturellen Dialog von Orient und Okzident. Mit unserer transkulturellen und interreligiösen Bildungsarbeit leisten wir einen Beitrag zur gesellschaftlichen Veränderung, für gleichberechtigte Teilhabe und den Schutz vor Diskriminierung.