29.04. | Fachwebinar: Entschwörung JETZT? Wer verbreitet Verschwörungsideologie und wie „entschwören“ wir uns und die Gesellschaft?

Ein Fachworkshop als Webinar über Reichs- und Verschwörungsideologie in Sachsen

10:00 – 14:00 Ort bei Anmeldung

Autor_innen: Projekt „Entschwörung JETZT“ der Amadeu Antonio Stiftung

Die rechtsterroristischen Attentäter von Halle (9.10.2019) und Hanau (19.02.2020) leiteten ihr Handeln aus einem zutiefst verschwörungsideologischen Weltbild ab. Sie teilen dieses Weltbild allerdings mit einer scheinbar wachsenden Anzahl an „Gläubigen“, die vor allem in den sozialen Medien ihre „Wahrheit“ finden und fanden. Dass es sich dabei mitnichten um harmlose Spinner, Verrückte oder Phantasten
handelt, wissen wir nicht erst seit Halle oder Hanau. International wächst seit einigen Jahren die Szene der Menschen, die sich von Verschwörungstheorien und Antisemitismus zu Attentaten und Terror-Anschlägen motivieren lassen. Aus dem Milieu der Reichsbürger und Souveränist*innen ist bekannt, dass im Zweifel die eigene „Souveränität“ mit der Waffe in der Hand „verteidigt“ wird.

Das Projekt „Entschwörung JETZT“ der Amadeu Antonio Stiftung hat es sich in den letzten eineinhalb Jahren zur Aufgabe gemacht, über Reichs- und Verschwörungsideologie in Sachsen aufzuklären. Mit Fortbildungen, Workshops und Publikationen wurde über Szene und Ideologie informiert, zudem erhielten die Teilnehmenden und Interessierten Unterstützung beim Finden von demokratischen und couragierten Umgangsformen mit Szene und Ideologie. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur Reichsbürger oder Souveränist*innen in Teilen Sachsens auf dem Vormarsch sind, es zeigte sich auch eine weit verbreitete Verschwörungsaffinität in der Bevölkerung Sachsens. Gleichzeitig stellen sich viele die Frage, wie sie reagieren sollen und können, ob sich beispielsweise das Widersprechen lohnt.

Mit dem Fachworkshop wollen wir einen Blick auf aktuelle Tendenzen in der Szene und in der Ideologie werfen. Unser Fokus ist dabei Sachsen, wir haben uns aber auch Expert*innen eingeladen, die den berühmt berüchtigten Tellerrand verlassen. Zugleich wollen wir beraten, welche Erkenntnisse sich aus den zurückliegenden Monaten gewinnen ließen und wie wir diese zukünftig gemeinsam umsetzen können und werden.

Zwar haben wir als Organisator*innen verschiedene Expertinnen eingeladen, zugleich wollen wir aber betonen, dass sich der Fachworkshop als Dialog versteht und dabei jede*r Teilnehmende ein*e Expert*in ist. Wir wünschen uns ausdrücklich eine Teilnahme der verschiedenen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Bereiche, die sich freiwillig oder unfreiwillig mit Reichs- und Verschwörungsideologie befassen.

Folgende Inhalte bestimmen den Fachworkshop:

Erster Impuls-Block: Politische und Gesellschaftliche Dimension

  • Politische Einordnung/Analyse durch Andreas Speit (Journalist, Autor)
  • Erfahrungen aus Seminaren und Workshops in Sachsen (Benjamin Winkler, Amadeu Antonio Stiftung)

Zweiter Impuls-Block: Psychologische – Individuelle Dimension

  • Dr. Thomas Schmidt-Lux (wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig)
  • Dr. Marius Raab (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Allgemeine Psychologie und Methodenlehre der Universität Bamberg)

Dritter Impuls-Block: Prävention und Intervention

  • Dr. Harald Lamprecht (Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der ev.-luth. Landeskirche Sachsen)
  • Erfahrungen aus der Beratungsarbeit mit Aussteiger*innen (Violence Prevention Network)
  • Erfahrungen aus der pädagogischen Arbeit mit jungen und älteren Menschen (Amadeu Antonio Stiftung)


Im Anschluss an jeden Impuls-Block besteht die Möglichkeit zum Fragen-Stellen sowie um Erfahrungen und Ergänzungen einzubringen. Wesentliche Erkenntnisse der Diskussion werden durch die Moderation festgehalten. Der Fachworkshop endet mit einer kurzen Präsentation des neuen Projekts „Debunk.Verschwörungsideologischem Antisemitismus entgegentreten“.

Programm zum Download

Anmeldung

Anmeldungen zum Fachworkshop sind noch bis 20. April 2020 möglich. Bitte melden Sie sich an, indem Sie eine E-Mail an praktikantin.entschwoerung [ at] amadeu-antonio-stiftung.de senden. Rückfragen beantworten wir Ihnen gern unter reichsbuerger.sachsen[ at ]amadeu-antonio-stiftung.de oder unter Tel. 0173-8250785.

Gefördert von

Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung reagiert auf eine rechtsextreme Alltagskultur, die sich vor allem in den neuen Bundesländern verankert hat. Das Ziel der Stiftung ist es, eine zivile Gesellschaft zu stärken, die dem Problem entschieden entgegentritt. Dafür unterstützt sie Initiativen und Projekte, die kontinuierlich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus vorgehen, sich für eine demokratische Kultur engagieren und für den Schutz von Minderheiten eintreten. Die wichtigste Aufgabe der Amadeu Antonio Stiftung: Lokale Akteurinnen und Akteure über eine finanzielle Unterstützung hinaus zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken.