29./30.11. | Online-Fachtagung „Besser leben! Rassismuskritische Strategien im Umgang mit sächsischen Verhältnissen“ | Digital

29.11.2021 16:30 – 19:30, 30.11.2021 16:30-19:30 Online, Ort bei Anmeldung

Autor_innen: Verband binationaler Familien und Partnerschaften Geschäftsstelle Leipzig

Seit drei Jahrzehnten vollzieht sich mittlerweile die Vereinigung der vormals beiden deutschen Staaten. In diesem Prozess wurde immer wieder auch die Einheit des einen, wiedervereinten deutschen Volkes beschworen. Gesellschaftliche Zugehörigkeit wurde so primär entlang natio-ethno-kultureller (Mecheril) Grenzziehungen praktiziert. Dieser Prozess ging gerade in den ersten Jahren mit massiven und auch heute noch mit zahlreichen Ausschlüssen einher, die nicht selten gewaltvoll stattfinden.

Solche strukturellen Gewaltverhältnissen zu bewältigen ist bereits eine Form des Widerstands. Zugleich haben Migrant*innen immer auch unter schwierigen Bedingungen offensiv zur eigenen Existenz gestanden und Gesellschaftsverhältnisse (mit-) gestaltet. Dabei verbinden sie existierende Räume, Ressourcen und Kontakte, um gemeinsam Widerstand und Veränderungen zu organisieren.

Wie können verschiedene Rassismuserfahrungen begreifbar gemacht werden? Wie können eigene Energien, Ressourcen und Privilegien auf diesem Weg eingesetzt werden? Wie können geschütztere Positionen geschaffen werden, aus denen heraus die Realität neu in den Blick genommen wird? Wie kann Selbstbekräftigung, diese schwierige und tiefgreifende politische Arbeit, vollzogen werden? Und wie kann Selbstfürsorge als Widerstandsarbeit unter bestehenden Ungleichheitsverhältnissen aussehen?

PROGRAMM – TAG 1

MONTAG, 29. NOVEMBER 2021

16:30 – 16:40 Uhr Eröffnung der Online-Fachtagung


16:40 – 17:15 Uhr Rassismus und Kämpfe der Migration
Prof. in Dr. in Manuela Bojadzijev
Die Geschichte der Migration lässt zumeist zwei Aspekte unthematisiert: den Rassismus und die Kämpfe der Migration. In Anlehnung an Hannah Arendts Diktum vom „Recht, Rechte zu haben“ gehört zum Widerstand der Migration sich dem Prozess der Entrechtung zu widersetzen. Migrant*innen waren und sind weder gesichtslose, anpassungsbereite Arbeiterinnen noch naive Opfer oder Objekte von Migrationspolitik und Rassismus. Die Geschichte der Migration ist vielmehr eine der sozialen Kämpfe, die immer mit Formen und Praktiken migrantischen Widerstandes einhergingen. Der Blick auf Arbeits-, Wohn- und Stadtteilkämpfe zeigt die historischen und aktuellen Konjunkturen von Rassismus und in welcher Weise Rassismus durch den gelebten Widerstand von Migrant*innen ständig neue
Formen annimmt.


Wie können wir Rassismus im Verhältnis zu sozialen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen verstehen, die diesen immer wieder hervorbringen? Wie kann einer herrschaftlich strukturierten Geschichtsschreibung begegnet werden? Wie können Erinnerungen an soziale Kämpfe und Praktiken des Widerstands gegen Herrschaft und Ausbeutung bewahrt werden? Wie können migrantisierte und rassifizierte Menschen unter den aktuellen Bedingungen in Sachsen von diesen Ressourcen profitieren?

17:15 – 17:35 Uhr Austausch und Reflexion in Kleingruppen


17:35 – 17:55 Uhr Rückfragen und Diskussion


17:55 – 18:10 Uhr Pause

18:10 – 18:45 Uhr Kraft zum Handeln unter Bedingungen von Rassismus
Dr. in med. Amma Yeboah
Die verstärkt einsetzenden Auseinandersetzungen mit Rassismus haben einer größeren Öffentlichkeit in Deutschland vor Augen geführt, wie stark Rassismus und rassistische Diskriminierung die hiesige Gesellschaft prägen. Trotzdem sind viele Engagierte in Sachsen bei dem Versuch politische und gesellschaftliche Strukturen zu verändern besonderen Belastungen ausgesetzt. Nicht selten fühlen sich viele Menschen, gerade auch in Sachsen, angesichts von Ungleichheitsverhältnissen allein und überfordert.

Wie können wir unter den Bedingungen gesellschaftspolitischen Engagements in Sachsen gut zu uns sein? Welche Möglichkeiten der Heilung gibt es unter gesellschaftlichen Dominanzverhältnissen? Wie können sich Rassifizierte bewusst für die Dekolonisierung von Psyche und Körper entscheiden? Wie sehr kann das eigene Wohlbefinden Ausdruck einer befreienden politischen Praxis sein?


18:45 – 19:05 Uhr Austausch und Reflexion in Kleingruppen


19:05 – 19:25 Uhr Rückfragen und Diskussion


19:25 – 19.30 Uhr Abschluss, Ausblick Tag 2

PROGRAMM – TAG 2

DIENSTAG, 30. NOVEMBER 2021

16:30 – 16:40 Uhr Eröffnung


16:40 – 17:10 Uhr Kooperationsbedingungen in strukturellen Ungleichheitsverhältnissen

Lucía Muriel – glokal e.V.
Für die Stärkung der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe sowie das Empowerment von Migrant*innen und migrantisierten Personen leistet (post-) migrantische Selbstorganisierung einen wichtigen Beitrag. Zudem liefert sie eine spezifische Expertise zur Bewältigung sozialer Probleme. In den vergangenen Jahren konnten sich Migrant*innenorganisationen auch in Sachsen zunehmend als
zivilgesellschaftliche Akteur*innen etablieren, jedoch unter erschwerten Bedingungen. Rassismuskritische und diversitätsbewusste Ansätze machen nicht nur die ungleiche Verteilung von Ressourcen sowie gesellschaftlicher, politischer und kultureller Macht sichtbarer, sie stellen auch inhaltliche Anforderungen an praktisches Handeln und Reflexion.

Unter welchen Bedingungen lassen sich benachteiligende Strukturen und Praktiken abbauen und Ressourcen gerechter umverteilen? Wie kann eine veränderte Praxis der Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen unterschiedlichen zivilgesellschaft- lichen Akteurinnen gestaltet werden? Wie können wiederkehrend eintretende Ausschlüsse und Schein-Partizipation verhindert werden? Und wer trägt welche Verantwortung in diesen Prozessen?


17:10 – 17:30 Uhr Austausch und Reflexion in Kleingruppen


17:30 – 17:45 Uhr Rückfragen und Diskussion


17:45 – 18:00 Uhr Pause

18:00 – 18:45 Uhr Podiumsdiskussion
Emanzipationsbewegungen und Empowerment unter Bedingungen von Dominanz und Unterordnung
Das zivilgesellschaftliche Engagement in Sachsen hat sich in den letzten Jahren auch durch den Einfluss migrantischer und migrantisierter Akteur*innen verändert. Gesellschaftspolitische Ziele wie soziale Gerechtigkeit, Anerkennung, Partizipation und Antidiskriminierung scheinen dabei vermehrt geteilter Konsens zu sein. Bei näherem Hinsehen sind aber zahlreiche Widersprüche zwischen (vermeintlichen) Ambitionen und konkreten Strukturen und Handlungsweisen wahrzunehmen. Wie kann eine emanzipatorische und diversitätsbewusste Arbeit unter sich nur langsam wandelnden Dominanz- und Machtverhältnissen erfolgreich sein? Welche Allianzen können geschmiedet werden? Wie eine Komplizenschaft in Differenz schaffenden Praxisformen verhindert werden? Und welche Beispiele guter Praxis können als Wegweiser dienen?

Rudaba Badakhshi Vorsitzende des Zentrums für Europäische und Orientalische Kultur e.V. (ZEOK)

Emiliano Chaimité Vorsitzender Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. (DSM) und Afropa e.V.

Carmen Krebs Stellvertr. Vorsitzende des Migrantinnenbeirats Leipzig, Gründungsmitglied von Das Postmigrantische Netzwerk e.V.

Lydia Lierke Rosa Luxemburg Stiftung

Özcan Karadeniz (Moderation) Verband binationaler Familien und Partnerschaften, Leipzig

18:45 – 19:05 Uhr Austausch und Reflexion in Kleingruppen


19:05 – 19:25 Uhr Rückfragen und Diskussion


19:25 – 19.30 Uhr Abschluss – Ende der Fachtagung

ANMELDUNG + KONTAKT

Beate Wesenberg
wesenberg@verband-binationaler.de


Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt, wir bitten um Anmeldung
bis zum 22. November 2021.


Die Online-Tagung wird über die Software BigBlueButton durchgeführt. Die
Zugangslinks erhalten Sie nach Ihrer Anmeldung.

Die Online-Fachtagung ist eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes „SAQsen! Stark – Aktiv – Qualifiziert in Sachsen. Begleitung, Vernetzung, Coaching und Qualifizierung von Integrationsprojekten“ des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften – Leipzig.

Mehr Informationen

Verband Binationaler Familien und Partnerschaften Leipzig

Unser Anliegen ist die Beratung und Unterstützung binationaler Paare und Familien in allen Fragen des interkulturellen Zusammenlebens. Im Kontext zunehmender Flexibilisierung und gesellschaftlichen Wandels möchten wir interkulturelle Lebensformen fördern und verstehen uns als Interessenvertretung dieser Personengruppe. Du findest unsere Arbeit wichtig? Unterstütze uns jetzt mit einer Spende!