TolSax Update | Newsletter Juli 2021

Im TolSax Update Juli werfen die Engagierten vom colorido e.V. aus Plauen einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen im Vogtland: Die sogenannten „Corona-Proteste“, das Agieren rechtsextremer Parteien und der Wahlkampf zur OBW-Wahl in Plauen. „Gegen rechte Meinungsmache und Extremisten unterwegs zu sein, fordert heute eine Menge von den ehrenamtlichen Aktiven in Plauen ab. Wir müssen deutlich eine klare Haltung der Zivilgesellschaft einfordern und einen breiten Widerstand aufbauen, damit das ‚Wohlfühlen‘ der Neonazis scheitert. Lasst uns weiter gemeinsam dranbleiben“, appelliert der colorido e.V. an uns alle. Von mehr mutigem Engagement und vielen praktischen Tipps dafür handelt der Newsletter Juli.

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Editorial vom colorido e.V.

Liebe Mitglieder des Tolsax, liebe Engagierte,

wir sind colorido e.V. aus Plauen. In unserem Logo steht bewusst, dass wir Demokratie lebendig gestalten wollen, und das machen wir seit einigen Jahren mit den vielfältigsten politischen Veranstaltungen, Kundgebungen, Festivals etc. hier im Vogtlandkreis.

Wir verfügen über eigene Räume in Plauen, die wir kurz vor dem ersten Lockdown bezogen haben. Wie viele andere Vereine, Bündnisse und Initiativen in unserem Land hat es auch uns erstmal von 100 auf 0 ausgebremst. Unsere Arbeit musste aber weitergehen und sich immer wieder neu an die Corona-Gegebenheiten anpassen. Wir versuchen, die Menschen mit Online-Veranstaltungen, mit Aktionsformen aus der Kunst im öffentlichen Raum abzuholen, um Aufmerksamkeit zu erregen, ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben.

Unsere Arbeit ist wichtig, denn in Plauen hat sich der „III. Weg“ niedergelassen und ist zu einer Art Vorzeigeprojekt für die deutschlandweiten Stützpunkte dieser Partei aufgestiegen. Die Neonazis haben innerhalb ihrer eigenen Immobilie systematisch ein so genanntes „Mehrgenerationenhaus“ aufgebaut. Sie nutzen die Immobilie und eignen sich alternative Praktiken an. Viele soziale Felder werden inzwischen von den Neonazis geschickt besetzt.

Im Zuge der Corona-Proteste war zu erkennen, wie sich die Neonazis unter die Demonstranten mischten. Anfangs waren noch viel mehr bürgerliche Protestler dabei, zunehmend bildete sich aber ein Kern aus dem rechtsextremen Spektrum heraus, der dann leider auch einen Teil Menschen aus dem bürgerlichen Spektrum für sich gewinnen konnte. Es handelt sich inzwischen um schwankende Teilnehmerzahlen zwischen 30 und 100 Menschen pro Kundgebung.

Im Wahlkampf um eine neue Oberbürgermeisterin/einen neuen Oberbürgermeister für die Stadt Plauen wurden die „Freien Sachsen“ mit ihrem Kandidaten Thomas Kaden laut und es wurde die volle Unterstützung des „III. Weges“ für den Busunternehmer und stellvertretenden Vorsitzenden der „Freien Sachsen“ sichtbar, der deutschlandweit die Protestler zu den Querdenker-Demos fährt.

Immer montags wurden und werden bewusst vor dem Denkmal der Friedlichen Revolution in Plauen die Kundgebungen abgehalten. Die Abgrenzung zwischen den Querdenkern und den Neonazis verschwimmt immer mehr. Es wird wöchentlich dazu aufgerufen, dass die derzeitige Regierung gestürzt werden müsse. Tony Gentsch vom „III. Weg“ und Thomas Kaden, aber auch andere Neonazis wie Martin Kohlmann (Chemnitz), Stefan Hartung (Erzgebirge), Michael Brück (Ex-Dortmund, jetzt Chemnitz) und Sven Liebich (Halle) traten bei den Kundgebungen auf. Das Ergebnis waren für Kaden im ersten Wahlgang 7,5 Prozent und damit mehr als mancher Mitbewerber. Am kommenden Sonntag folgt der zweite Wahlgang.

Zivilgesellschaftliche Gegenanzeigen wurden nahezu ein Jahr nicht sichtbar in Präsenz gemacht. Natürlich haben wir weiterhin online unsere Veranstaltungen angeboten. Mit den Möglichkeiten, die wir während des Lockdowns hatten, haben wir immer versucht, eine Sensibilisierung zu schaffen, damit die Menschen die Augen offen behalten. Aber wir zeigten auf der Straße keinen sichtbaren Gegenprotest gegen die Querdenker-Kundgebungen. Gegenwärtig stellt sich uns die Frage, ob wir das hätten tun sollen.

Allein der erhobene Zeigefinger reicht nicht mehr. Gegen rechte Meinungsmache und Extremisten unterwegs zu sein, fordert heute eine Menge von den ehrenamtlichen Aktiven in Plauen ab. Wir müssen deutlich eine klare Haltung der Zivilgesellschaft einfordern und einen breiten Widerstand aufbauen, damit das „Wohlfühlen“ der Neonazis scheitert.

Lasst uns weiter gemeinsam dranbleiben. Wir freuen uns über jede Unterstützung.

Eure TolSax-Sprecher_innen

Doritta Korte und Steffen Unglaub von colorido e.V. Plauen

Ihr erreicht uns unter kontakt@colorido.de
Informationen über unseren Verein gibt es hier: www.colorido.de

Anmerkung: Die Einleitung spiegelt nicht die Meinung des Netzwerkes oder des Sprecher_innenrates wieder, sondern einzig der Verfasser_innen.


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