Qualifizierungsangebot für Sprachmittelnde: aus der Situation heraus dolmetschen. | Leipzig
Liebe Engagierte, liebe Sprachmittelnde, liebe Ehrenamtler*innen, liebe Netzwerkpartner*innen,
Sprache kann Türen öffnen – oder sie verschlossen halten. Besonders im Gewaltschutz, wo Menschen in akuten oder langfristigen Krisensituationen Unterstützung suchen, spielt Sprachmittlung eine zentrale Rolle. Ziel des Workshops ist es, Dolmetscher*innen und Sprachmittler*innen dafür zu sensibilisieren, dass wir durch unser Handeln Personen, für die wir dolmetschen, (un)bewusst diskriminieren können. Zusammen stärken wir unsere intersektionale Perspektive und unterstützen dabei, die eigene Dolmetschpraxis diskriminierungssensibel zu gestalten. Gleichzeitig reflektieren wir unsere Rolle in Dolmetschsituationen und erproben gemeinsam Handlungsmöglichkeiten, wie wir in solchen Momenten verantwortungsvoll im Umgang mit unterschiedlichen Lebensrealitäten handeln können.
Insbesondere in Dolmetschsituationen innerhalb des Gewalthilfesystem wie z.B. in einer Beratungsstelle, bei der Polizei oder in der Psychotherapie können belastende Themen besprochen werden und es kann zu Herausforderungen komme – abhängig davon, wo das Gespräch stattfindet, wer beteiligt ist und welche Erwartungen, Gefühle und Vorannahmen die Beteiligten mitbringen. Wie kann ich in diesen komplexen, emotionalen und unvorhersehbaren Situationen als Dolmetscher*in Entscheidungen treffen und die Grenzen aller am Gespräch Beteiligten respektieren, inklusive meiner eigenen?
- Im ersten Teil des Workshops setzen wir uns damit auseinander, welche Motivationen, Überzeugungen und Erfahrungen unsere Entscheidungen beim Dolmetschen im Kontext von Gewaltschutz beeinflussen. Wir reflektieren, welche Rollen wir in solchen Momenten einnehmen, welche Erwartungen an uns gestellt werden und wie wir selbst unsere Rolle verstehen.
- Im zweiten Teil des Workshops beschäftigen wir uns mit intersektionaler und diskriminierungssensibler Gesprächsführung im Gewaltschutz. Intersektionalität bedeutet, dass Menschen gleichzeitig verschiedenen Formen von Diskriminierung ausgesetzt sein können – etwa wegen Herkunft, Geschlecht, Behinderung, sozialem Status, Identität oder anderen Faktoren. Solche Erfahrungen beeinflussen, wie Menschen Gewalt erleben und wie leicht sie Unterstützung erhalten. Wir setzen uns damit auseinander, wie Sprachmittlung diese Vielfalt berücksichtigen kann. Denn Sprachmittelnde haben eine wichtige Verantwortung: Sie übertragen nicht nur Worte, sondern tragen auch dazu bei, Verständnis, Vertrauen und Sicherheit für die Betroffenen zu schaffen.
- Der dritte Teil des Workshops ist inspiriert von Şebnem Bahadirs Methode der „Dolmetschinszenierungen“. Hier erproben wir Dolmetschsituationen direkt aus der Praxis, wie wir selbstreflektiert, diskriminierungssensibel und empathisch mit Konflikten umgehen können. Dabei werden wir selbst zu Schauspieler*innen und Regisseur*innen. In Kleingruppen nehmen wir die Rollen aller Beteiligten ein, um die Situation auch aus deren Perspektive zu erfahren und bewerten zu können. Ziel ist es nicht, ein allgemeingültiges Konfliktlösungsmuster zu erarbeiten. Stattdessen üben, beobachten und besprechen wir situationsspezifische Handlungsmöglichkeiten.
- Zwischendurch richten wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf unsere Körperwahrnehmung. In theaterpädagogischen Übungen erforschen wir, wie wir mit unserem Körper unsere eigenen Haltungen und Gefühle kommunizieren, Beziehungen zu den anderen Formen und wie wir Körpersignale der anderen wahrnehmen und respektieren.
Für wen?
Die Veranstaltung richtet sich an alle Dolmetschende und Sprachmittlende, die im Gewaltschutzsystem übersetzen (möchten). Interessierte aus angrenzenden Bereichen sind ebenfalls willkommen.
Wann?
Do., 09. April I 10:00 bis 16:00 Uhr
& Fr., 10. April I 12:00 bis 14:00 Uhr
Wo?
DaMigra e.V.
Jahnallee 69
04177 Leipzig
Fahrtkosten können bei Bedarf von uns übernommen werden.
Anmeldung & Teilnahme
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine verbindliche Anmeldung jedoch notwendig. Bitte fülle die untenstehende Anmeldung aus. Diese gilt als verbindlich nach Zusendung der Anmeldebestätigung, die wir dir in wenigen Tagen per Mail zukommen lassen. Bei Fragen melde dich bitte bei ingekom@damigra.de.
Hier geht es zur Anmeldung: Anmeldung: Intersektionaler Workshop für Sprachmittelnde
Das Modellprojekt InGeKom wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
