Workshop „Breslauer, Seymour, Unbekannt. Zeitzeugen mit Kamera“ | Leipzig
Anmeldefrist: 08.06.2026 |
Rudolf Werner Breslauer, David Robert Seymour, Unbekannt – zwei Namen, ein Namenloser, drei Menschen, deren Schicksal mit Leipzig und der NS-Zeit verbunden ist, mit der jüdischen Geschichte der Stadt. Alle drei verbindet auch, dass sie fotografierten und filmten, dass sie Bilder und Filme machten, die heute Zeitzeugnisse sind, von Verfolgung und Flucht, von Krieg und Widerstand.
Vom 19.06. bis 21.06. laden wir zu einem neuen Workshop ein. Nach einer Kurzeinführung in Leipzigs jüdische Stadtgeschichte möchten wir gemeinsam mit den Teilnehmenden u.a. zu den Biografien von Breslauer und Seymour arbeiten und uns auf die Spur eines Unbekannten begeben. Wir werden Akten und autobiografische Quellen auswerten und uns mit ausgewählten Fotografien, Filmmaterial und Erinnerungen intensiv auseinandersetzen.
Zeitlich wird der Fokus auf der Zeit von 1933–1945 liegen, da die Biografien geeignet sind verschiedene Aspekte der NS-Verfolgung und unterschiedliche Perspektiven darauf zu thematisieren. So war Rudolf Breslauer, 1903 in Leipzig geboren, 1942 mit seiner Familie in das Durchgangslager Westerbork deportiert worden, wo er erkennungsdienstliche Fotografien der Häftlinge anfertigen und, ebenso gegen seinen Willen, einen Film drehen musste, der heute zum UNESCO-Welterbe zählt. Er wurde zum unfreiwilligen Dokumentaristen des Holocaust. David Robert Seymour, 1911 in Warschau geboren und später unter dem Pseudonym „Chim“ bekannt geworden, studierte ab 1929 an der Akademie für Graphische Künste in Leipzig und übersiedelte 1931 nach Paris, wo er u.a. Robert Capa und Gerda Taro kennenlernte. 1936 ging er nach Spanien, um die Schrecken des Bürgerkriegs zu fotografieren, der Beginn seiner Arbeit als Fotoaufklärer. Mit Recherchen zu einer unbekannten Person schließlich widmen wir uns an einem Beispiel dem Thema Deportationsfotos. Das einzige bekannte Bild einer Deportation aus Leipzig vom 10.05.1942 gehört vermutlich zu dem schmalen Fundus solcher Bilder, die heimlich gemacht wurden, eine Person auf dem Foto wurde im Projekt #lastseen identifiziert. Es handelt sich um die 1898 in Warschau geborene Helena Siegelberg, die um 1908 mit ihrer Familie nach Leipzig eingewandert war.
Fotografien und Filme als Zeitzeugnisse erlangen in einer Zeit ohne lebende Zeitzeugen einen Bedeutungszuwachs für die Auseinandersetzung mit dem NS, der im Kurs mit Fragestellungen zur Rolle der Urheber, zum Lesen und zur Interpretation von Bildzeugnissen allgemein und bezüglich der zunehmenden Verwendung von KI auch in der Erinnerungskultur kritisch reflektiert wird.
Angesprochen für den Kurs sind Interessierte (ab 16 Jahren) mit der Bereitschaft zur Teilnahme an allen drei Kurstagen.
Wie bei allen vorhergehenden Workshops unserer Projektgruppe entstehen Kurzbiografien sowie Mikro-Hörstücke, die historische Ereignisse aus der Sicht ehemaliger Leipziger oder mit Leipzig verbundener Personen reflektieren und auf der Projektseite von „ReMembering Leipzig – Jüdische Lebenserinnerungen“ veröffentlicht werden.
Workshop-Zeiten:
Fr, 19.06., 14– 18 Uhr,
Sa, 20.06., 10– 17 Uhr,
So, 21.06., 10– 17 Uhr
Workshop-Leitung: Jane Wegewitz, Tom Weiß (EnterHistory!)
➢ Tom Weiß ist Historiker und Religionswissenschaftler und seit 2024 Leiter der Stadtbibliothek Dessau-Roßlau.
➢ Jane Wegewitz ist Kulturwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin und Autorin. Seit 2020 ist sie als Referentin der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus tätig.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldungen (via E-Mail an projekt@remembering-leipzig.de) werden nach Eingang berücksichtigt, Anmeldeschluss ist der 08.06.2026.
Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei und wird gefördert von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten.
