EFBI Jahrbuch 2025: Demokratie in Sachsen – Von vielen Seiten unter Druck

Autor_innen: Else Frenkel-Brunswik Institut
Wie verarbeiten Menschen in Ostdeutschland Umbrüche, Verluste und die anhaltende Transformation? Wie sprechen autoritäre Akteure junge Menschen zwischen Dresden und Leipzig an? Vor welchen Herausforderungen steht die Zivilgesellschaft in Sachsen?
Der fünfte Band des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts versammelt unterschiedliche Stimmen zur Lage der Demokratie in Sachsen – aus Forschung, Zivilgesellschaft, Journalismus und Kunst. Er beleuchtet die Strategien rechtsautoritärer und neonazistischer Kräfte und fragt zugleich nach den Ressourcen einer widerständigen und engagierten Gesellschaft.
Berichte über die Herausforderungen der Zivilgesellschaft in Sachsen
Der Analyse der Ereignisse in Sachsen im Jahr 2025 widmen sich die folgenden Beiträge. In der Rubrik „Überblick“ werden Forschungserträge zur Lage der Demokratie in Sachsen vorgestellt. Hierzu gehört die Analyse der von Julia Dresselhaus und Johannes Kiess erneut durchgeführten Befragung der Partnerschaften für Demokratie und der Innovationsprojekte des Bundesprogramms Demokratie leben! in Sachsen. Ihre Auswertung verdeutlicht, wie sehr zivilgesellschaftliche und prodemokratische Akteure im Freistaat in ihrer Arbeit bedroht sind. Lena Hinderberger und Emily Bandt vom Leipziger Erich-Zeigner-Haus widmen sich in ihrem Beitrag „Demokratiearbeit unter Druck“ einer Bedarfsanalyse des Leipziger Netzwerks für Demokratie. Anhand dieser Untersuchung machen sie zentrale Herausforderungen sichtbar, mit denen sich die lokale Zivilgesellschaft konfrontiert sieht. Für die RAA Sachsen steuert Andrea Hübler auch in diesem Jahr vorläufige Zahlen zu einer Statistik rechter Gewalttaten im Freistaat bei.
Der Umgang mit Transformation und Trauer
Es schließt sich die Rubrik „Schlaglichter“ an, in der ausgewählte Phänomene und aktuelle Entwicklungen in Sachsen und darüber hinaus vorgestellt werden. Manès Weisskircher, Leiter der BMBFTR-Nachwuchsgruppe REXKLIMA (Rechtsextremismus versus Klimaschutz?) an der TU Dresden, untersucht in seinem Beitrag Regionale Klimaobstruktion, wie die AfD in Sachsen gegen klimapolitische Maßnahmen mobilisiert. Die seit dem Sommer 2024 verstärkte Mobilisierung junger extrem-rechter und neonazistischer Akteure gegen Christopher Street Days und Pride-Paraden in Sachsen ordnen Johanna Niendorf und Gideon Wetzel ein. Masha Guzzo, Gastwissenschaftlerin am EFBI, begleitete während und nach der COVID-19-Pandemie sogenannte Montagsproteste in zwei sächsischen Städten. Ziel ihrer Forschung war es zu untersuchen, wie stark diese Versammlungen extrem rechts grundiert sind. In ihrem Beitrag schildert sie ihre Beobachtungen und analysiert die Demonstrierenden zwischen Provokation, Destruktivität und Menschlichkeit. Nach den Ereignissen des 7. Oktober 2023 wurden Hochschulen bundesweit zu Schauplätzen antisemitischer Besetzungen, Schmierereien sowie körperlicher Angriffe auf Studierende und Mitarbeiter. Charlotte Brandes von der Meldestelle RIAS Sachsen wertet hierzu gemeldete antisemitische Vorfälle ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze aus. Im Jahr 2025 startete am EFBI das Forschungsprojekt „Transformationserleben seit 1989 – Erfahrungen und politisch-gesellschaftliche Deutungsmuster“. Fiona Kalkstein und Nicole Löw stellen das Projekt vor und erläutern, wie sich Personen, die zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung Jugendliche waren, an diese Umbruchsphase erinnern. Ebenfalls mit Transformationsprozessen befasst sich ein Team von EFBI-Wissenschaftlern, das seit 2023 im Projekt „Handlungsfähigkeit (wieder)entdecken: Arbeitskämpfe, lokale demokratische Kultur und Strukturwandel in Sachsen“ arbeitet. Johanna Liesen und Andre Schmidt analysieren auf Grundlage von Gesprächen mit Beschäftigten der ostdeutschen Zuliefererindustrie, wie Betriebsschließungen erlebt und verhandelt werden. Piotr Kocyba und Johannes Kiess berichten aus dem Projekt „Politische Einstellungen und politische Partizipation in Folge der COVID-19-Pandemie“ und beschreiben in ihrem Beitrag, wie pandemische Erfahrungen bei vielen Menschen zu politischer Erschöpfung geführt haben.
Künstlerische und journalistische Beiträge
Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zwei weitere Blicke auf Sachsen im Jahr 2025. Der freie Journalist Tobias Prüwer, der unter anderem für das Leipziger Stadtmagazin Kreuzer schreibt, versammelt seine Beobachtungen zu den sogenannten roten Gruppen. Diese autoritär-antiimperialistischen Zusammenschlüsse befinden sich in Sachsen im Aufschwung und werden von ihm sowohl historisch als auch ideologisch eingeordnet. Gerahmt werden die Texte von einer Bildstrecke des Fotografen Arthur Zalewski. Über mehrere Jahrzehnte hinweg hat er nicht nur seine Heimatstadt Leipzig, sondern auch die polnischen Städte Danzig und Warschau fotografisch begleitet. Im Gespräch mit Pia Siemer erläutert er, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede diese postsozialistischen Städte verbinden und voneinander trennen.
Das Buch erscheint im Verlag edition überland und kann bei diesem bestellt werden. Wir stellen das Buch in PDF-Form als Open Access-Datei zur Verfügung.
