TolSax Update | Januar 2026

Im Editorial des Januar-Newsletters betont Jane Wegewitz von der sLAG die Bedeutung des Themenjahres jüdische Kultur, benennt aktuelle Angriffe und Konflikte rund um Erinnerungskultur und Antisemitismus und unterstreicht das Engagement der sLAG für eine vernetzte, kritische und solidarische Erinnerungsarbeit in Sachsen. Wie gewohnt findet Ihr im Newsletter Termine, Fördertipps und weitere Anregungen für Euer Engagement in Sachsen.

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Editorial von Jane Wegewitz | Fachstelle für NS-Erinnerungsarbeit und Demokratiebildung der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG)

Liebe Mitglieder, liebe Engagierte,

am 14.12.2025 wurde das Themenjahr „Tacheles – Jahr der jüdischen Kultur Sachsen“ in Chemnitz feierlich eröffnet. Auch wir erhoffen uns von dem Projekt des Freistaates viele gute Impulse. Wir als sLAG – sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sehen das große Engagement zahlreicher Akteur*innen und deren hochkarätiges Programm, ihre Beiträge zur jüdisch-sächsischen Geschichte und zu jüdischem Leben heute, und wir wünschen diesem viel Aufmerksamkeit, viele Besucher*innen.

Auch die sLAG-Mitglieder bringen sich mit vielfältigen Angeboten ins Themenjahr ein, das Feld ihres Agierens aber ist ein schwieriges. Im Kontext des sogenannten Nahostkonflikts sieht sich die Erinnerungskultur auf neue Weise umkämpft. Das Spektrum reicht von akademischen Debatten bis hin zu Angriffen auf Erinnerungsorte, die in ihrer Anzahl besorgniserregend zugenommen haben. Mehrheitlich kommen sie von rechts. Zuletzt wurden etwa in Bautzen am 9. November Menschen beim Putzen von Stolpersteinen und beim Gedenken durch Neonazis bedroht und Grabschmuck entfernt. Bei einer Vielzahl anderer Vorkommnisse dagegen ist ihre politische Herkunft nicht klar zu verorten.

Uns irritieren die Entkopplung von Gedenkarbeit und politischer Analyse der Gegenwart sowie die verkürzte Indienstnahme eines Begriffes wie „Staatsräson“, um das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen. Wir sind irritiert von Störungen von Gedenkveranstaltungen und der Wirkmächtigkeit sogenannter „Social Media“-Accounts und dahinter stehender Aktivst*innen, die die Arbeit von Gedenkstätten, Vereinen und Initiativen in Frage stellen und diskreditieren – nicht selten, ohne deren Arbeit zu kennen oder um sie gezielt zu bekämpfen. In einem gefährlich polarisierten Zeitgeschehen sucht die sLAG dennoch nach Möglichkeiten, Diskursräume zu öffnen und eine Erinnerungsarbeit fortzusetzen, die auf Vernetzung und profundem Wissen basiert, welches in zahlreiche Bildungsprojekte Eingang findet, und die sich jedem Versuch, den Holocaust zu relativieren, widersetzt. Zugleich unterstützen wir die Idee, eine bundesweite Meldestelle für Angriffe auf Erinnerungsorte und -akteur*innen einzurichten. Bis diese Realität wird, ist die sLAG-Fachstelle ansprechbar. Beschädigte Stolpersteine oder Gedenktafeln, verbale Beschimpfungen bei Rundgängen zur NS-Geschichte und anderen Veranstaltungen, öffentliche geschichtsrevisionistische Äußerungen und darüber hinausgehende Angriffe – wir nehmen die Vorfälle auf und beraten euch.

Zum 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer den Holocaust, in Deutschland offiziell der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, wird es auch in vielen Orten Sachsens wieder Veranstaltungen geben und mit unserer Übersicht laden wir zu deren Besuch, zur (An-)Teilnahme, ein. Wir als Fachstelle werden uns weiterhin für die Fortführung von Projekten einsetzen, die sich auf unterschiedliche Weise gegen Antisemitismus engagieren und dabei die aktuellen Debatten nicht aus den Augen verlieren. Auch der diesjährige Erinnerungspolitischen Fachtag im November, unsere größte jährlichen Veranstaltung, wird dem Thema Antisemitismus und Erinnerungskultur gewidmet sein. Er wird einen Dialograum öffnen, in dem wir uns auch mit den Wechselwirkungen zwischen dem Gedenken an die deutschen Verbrechen in der Zeit des NS und gegenwärtigen Diskursen auseinandersetzen und uns zugleich auf unsere Handlungsfelder als zivilgesellschaftliches Netzwerk fokussieren.

Für das neue Jahr wünschen wir euch Gesundheit, Mut und Zuversicht sowie Energie und Freude an eurer Arbeit!

Jane Wegewitz | Fachstelle für NS-Erinnerungsarbeit und Demokratiebildung der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG) | info@slag-aus-ns.de

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Auf unserer Website unter Koordination erfahrt Ihr, welche Mitarbeiter_in aus der TolSax-Koordination für welche Eurer Fragen die richtige Ansprechperson ist.

Anmerkung: Die Einleitung spiegelt nicht die Meinung des Netzwerkes oder des Sprecher_innenrates wieder, sondern einzig der Verfasser_innen.

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