2019 | „Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Rückblick auf das 16. Landestreffen des Netzwerks Tolerantes Sachsen

Zum Auftakt des Superwahljahres 2019 fand am 18./19. Januar 2019 in Dresden nach dreijähriger Pause wieder ein großes Landestreffen des Netzwerks Tolerantes Sachsen statt – zum mittlerweile 16. Mal. Unter dem Motto „Gemeinsam“ waren alle Mitglieder und Freund_innen des Netzwerks dazu eingeladen, sich über die anstehenden Herausforderungen und Aktivitäten auszutauschen. Mit insgesamt rund 100 Personen aus Leipzig, Dresden, Chemnitz, dem Erzgebirgskreis, dem Vogtland, den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Leipzig und Mittelsachsen sowie Gästen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt war es eines der am besten besuchten Landestreffen überhaupt. Ein Grund dafür ist sicher die polarisierte gesellschaftliche Debatte, die bei vielen Initiativen derzeit für beträchtliche Verunsicherung sorgt.

Wie in dieser Situation progressive Visionen für eine offene und demokratische Gesellschaft stark gemacht werden können, war auch Thema der Tagung „Politisch Handeln im autoritären Sog“, die TolSax gemeinsam mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und dem Kulturbüro Sachsen am 18. Januar ausgerichtet hat. Nach den spannenden theoretischen Inputs und praktischen Workshops auf dieser Tagung begann das Landestreffen am Freitagabend in der entspannten Atmosphäre der Café*Bar Laika. Eine Lesung aus den Jahrbüchern Extremismus & Demokratie zeigte auf amüsante Weise, was wir der Extremismustheorie abgewinnen können. Nämlich herzliches Lachen.

Am Sonnabend ging es im Kulturzentrum Scheune weiter. Martina Glass vom Netzwerk für Demokratische Kultur in Wurzen begrüßte die Teilnehmer_innen im Namen des Sprecher_innenrates des Netzwerks. Die anwesenden Sprecher_innen, die im November per Onlineabstimmung gewählt worden waren, stellten sich kurz auf der Bühne vor. Weite Grußworte kamen von der Leiterin des Demokratie-Zentrums Sachsen, Ulrike Stansch, und dem Generalsekretär der sächsischen SPD, Henning Homann, der dem TolSax schon seit langem verbunden ist

„Warum wir nicht verzweifeln müssen“

Der Autor Michael Bittner eröffnete das Landestreffen mit einem Impuls: „Warum wir nicht verzweifel müssen.“ Zum Nachhören
Zum Nachlesen auch auf michaelbittner.info

Anschließend analysierte der Autor Michael Bittner, was es mit dem aktuellen Rechtsruck, dem Erfolg der „neuen Nationalisten“ auf sich hat – nicht nur in Sachsen. Und warum wir trotz alledem „nicht verzweifeln müssen“. Besonders zuversichtlich stimme ihn, dass „die Jugend fast überall in ihrer Mehrheit auf der Seite der Gegner des Nationalismus steht“. Mit Voltaire erinnerte er zum Abschluss seines Vortrags daran, dass das „Wüten des Fanatismus“ ein Zeichen dafür ist, „dass die Vernunft langsam Fortschritte macht“.

Entsprechend motiviert – oder besorgt – begaben sich die Anwesenden daher nach seinem Vortrag in sechs parallele Workshops. Das größte Interesse gab es dabei an den Arbeitsgruppen „Gemeinsame Aktivitäten im Wahljahr“ und „Wie weiter mit der politischen Bildungsarbeit in Sachsen?“ Aber auch zu den Themen „Gemeinsam diskutieren“, „Gemeinsam analysieren“, „Zukunft (Musik-)Kultur – Fragen an die Politik“ sowie der provozierenden Frage „Gemeinsam auswandern – oder doch nicht?“ fanden sich zahlreiche Interessierte ein.

Vielfältig und gut vernetzt

Die Impulse zu den Workshops kamen von Mitgliedern und Kooperationspartner_innen des Netzwerks wie der Courage-Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V. (NDC Sachsen), dem Projekt chronik.LE von Engagierte Wissenschaft e.V., dem Bündnis gegen Rassismus, dem Kulturbüro Sachsen e.V., Hatikva e.V. und Sächsischer Landjugend e.V. sowie dem Scheune e.V. als Gastgeber_in des Landestreffens. Insgesamt wurde in den Arbeitsgruppen mal wieder sichtbar, über wie viele Kompetenzen auf unterschiedlichen Feldern wir im Toleranten Sachsen verfügen: Unsere Stärke ist die Vielfalt!

Neben der Weitergabe von konkreten Tipps und Tricks, etwa zur Gestaltung von Podiumsdiskussionen oder zur Recherche und Dokumentation von rechten und demokratiefeindlichen Vorkommnissen und Strukturen, dienten die Workshops zur gegenseitigen Information über geplante Vorhaben und der Entwicklung von weiteren gemeinsamen Aktivitäten. Daran waren neben Vereinen und weiteren Akteur_innen aus Sachsen auch Organisationen wie das #unteilbar-Bündnis, das Aktionsbündnis Brandenburg und die Initiative Die Offene Gesellschaft beteiligt, die an einer Vernetzung mit und Unterstützung von Initiativen aus Sachsen interessiert sind. Zudem präsentierte der Friedenskreis Halle e.V. im Vorraum sein Lernspiel „ene mene muh und raus bist DU“ über Flucht und Asyl in Deutschland.

Das Lernspiel „Ene mene muh und raus bist DU“ über Flucht und Asyl in Deutschland des Friedenskreises Halle e.V.

Anregungen und Ideen für 2019 und darüber hinaus

Der persönliche Austausch und die Vernetzung untereinander gingen auch während der Mittagspause rege weiter. Anschließend kamen die Teilnehmer_innen noch mal in vier regionalen Arbeitsgruppen (Dresden, Leipzig, Chemnitz/Südwestsachsen und Ostsachsen) zusammen. In diesen AGs wurden konkrete Projekte entwickelt und Verabredungen für das kommende Jahr getroffen.

Wie wichtig so ein Treffen zum Mutmachen und Empowern ist, beweisen Kommentare wie dieser von Agenda Alternativ e.V.:

„Ein voller Raum mit Menschen von Initiativen aus jeder Ecke des Freistaats zeigt, dass hier noch viel geht und wir gerade mit Blick auf die #Landtagswahl im September klare Haltung gegen Rechts zeigen können!“

Agenda Alternativ e.V. auf Instagram

Die TolSax-Sprecher_innen haben die vielen Anregungen und Ideen vom Landestreffen mit auf ihre Klausur Anfang Februar genommen. Und nach all den positiven Rückmeldungen steht bereits fest, dass es auch im nächsten Jahr ein Landestreffen des gesamten Netzwerks geben wird.


Mehr Stimmen zum Landestreffen

„Der Tag beim Netzwerktreffen hat mir gezeigt, dass wenn ich bei weitem auch nicht bei allen Aktionsideen für dieses Jahr zustimme, da sie aus meiner Sicht teilweise naiv und Ressourcenverschwendung sind, so sind doch Ideen entstanden, die ich auch für Bautzen/Budyšin und die Region mittragen würden oder für die ich mich an anderen Orten in Sachsen einbringen würde.“

Annalena Schmidt auf ihrem Blog

„So viele engagierte Leute auf einem Fleck. ❤Seit gestern Abend trifft sich das Netzwerk Tolerantes Sachsen zu seinem 16. Landestreffen in Dresden. Freut mich für die Jusos Sachsen dabei sein zu können! Der Einsatz für Demokratie und gegen Rassismus ist gerade vor der Landtagswahl in diesem Jahr dringender denn je.“

Stefan Engel, Jusos Sachsen auf Facebook

„Das 16. Landestreffen des Netzwerks Tolerantes Sachsen brachte uns nochmal jede Menge neue Vernetzungsmöglichkeiten. Und die Erkenntnis, dass es noch viel mehr Akteur*innen für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft in Sachsen gibt, als man glaubt. Das macht Mut.“

LAG Queeres Netzwerk Sachsen auf Facebook

In Kooperation mit dem scheune e.V.

Gefördert von

Das Projekt wurde gefördert vom Sächsischen Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“. Die Zuwendungen stammen aus Steuermitteln. Diese Steuermittel werden auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes zur Verfügung gestellt.

TolSax

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