EFBI Digital Report 2026-1: Extrem rechte Online-Mobilisierung

Autor_innen: Else-Frenkel-Brunswik-Institut
Im neuen, in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung entstandenen EFBI Digital Report widmen sich unsere Autoren den Mobilisierungsstrategien der extremen Rechten sowie deren Nutzung neuer Technologien. Gideon Wetzel und Gastautor Bastian Stock analysieren dafür das TikTok-Netzwerk der Jungen Nationalisten Sachsen.
Die Ausgabe des Digital Reports 2026-1 „Extrem rechte Online-Mobilisierung“ fokussiert die Nutzung technischer Neuerungen durch die politische Rechte. Der extremen Rechten wird derzeit oft zugeschrieben, bei der Nutzung neuer Technologien „Early Adopter“ zu sein. Inwiefern diese These zutrifft, untersuchen Gideon Wetzel und Dr. Johannes Kieß in Anbetracht historischer Entwicklungen. Populär wurde diese These zuletzt im Zusammenhang mit der Plattform TikTok und der Aneignung von digitalen Trends durch rechte Akteure. Gideon Wetzel und Bastian Stock identifizierten ein Kern-Netzwerk aus 301 Profilen, das dem Umfeld der Jungen Nationalisten Sachsen zugeordnet werden kann und untersuchten die Audiospuren der Videos des „metapolitischen Ökosystems“ und die ästhetische Wirkung der Propaganda.
Strategische Implementierung von Inszenierungsangeboten
Die Autoren zeigen in ihrer Analyse auf, wie die extreme Rechte durch die plattformspezifische Verwendung von Sounds auf TikTok ihre Inhalte in einen breiteren, gesellschaftlichen Diskurs einbringt. Die Verwendung viraler Audiospuren schafft vier Typen der Inszenierung, denen unterschiedliche Mobilisierungsstrategien und Bildwelten zugrunde liegen. Virale Trends werden sich so angeeignet und mit eigenen ideologischen Inhalten aufgeladen, um diese in der Sphäre der Popkultur zu integrieren. Algorithmusbasierte soziale Medien schaffen eigene Kurationslogiken der Distribution von propagandistischen Inhalten und Praktiken, welche TikTok zum strukturellen Möglichkeitsraum für neue Formen metapolitischer Intervention der neuen Rechten macht.
Vom Volksempfänger über Zines zu Social Media – die politische Rechte als Early Adopter?
Gideon Wetzel und Dr. Johannes Kiess beschäftigen sich im weiteren Beitrag des Digital Reports mit der These, dass die politische Rechte sich stets frühzeitig neu aufkommender Technologien in ihrer Propaganda bedient hätte. Ein kurzer Abriss seit Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland gibt Einblick, welches Medium in spezifischen Zeitperioden in der politischen Rechten zur Distribution ihrer Inhalte prominent war und welche Motivation dieser Nutzung zugrunde lag. Die Ergebnisse wecken Zweifel an der „Early Adopter“-These, da sie aufzeigen, dass sich rechte Akteure meist Technologien bedienten, welcher sich bereits vorher in emanzipatorischen und subkulturellen Milieus bedient wurde. Unterschiede hinsichtlich ihres Erfolgs und dem Grade der Wahrnehmung sehen die Autoren daher „weniger in der Kompetenz als in der strategischen Schwerpunktsetzung und in der medialen Wahrnehmung“.
Das Monitoring
Die Amadeu Antonio Stiftung in Sachsen und das Else-Frenkel-Brunswik-Institut an der Universität Leipzig haben gemeinsam ein systematisches Online-Monitoring extrem rechter und antidemokratischer Aktivitäten im Freistaat Sachsen entwickelt. Das Monitoring analysiert Plattformen und Netzwerke und untersucht, wie sich Radikalisierung im Netz vollzieht und wie diese mit der Radikalisierung auf der Straße und des öffentlichen Diskurses zusammenhängt.
Über das EFBI
Das an der Universität Leipzig angesiedelte Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) bildet eine Forschungsinfrastruktur in Sachsen, die demokratiefeindliche Einstellungen, Strukturen und Bestrebungen erforscht und dokumentiert. Im Vordergrund stehen dabei verschiedene Formen der Diskriminierung, die Strategien und Dynamiken rechts-autoritär motivierter Bündnisse und die Stärkung demokratischer Politik.
Die Entwicklung dieser Veröffentlichung wurden als Projekt des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (Teilinstitut Leipzig) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Pressekontakt
Tilman Meckel
Referent für Wissenschaftskommunikation
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