Dritte Orte sind für gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar.

Autor_innen: Körber-Stiftung uvm.
Das Miteinander in unserer Gesellschaft gerät angesichts wachsender Polarisierung zunehmend unter Druck. Digitale Kommunikation ersetzt persönliche Begegnungen, Bindungen vor Ort werden schwächer. Anstelle von Vertrauen und Zusammenhalt entstehen Abgrenzung und Rückzug ins Private. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft ist da – es fehlen die Orte, an denen sie entstehen kann. Hier setzen Dritte Orte an. Sie sind offene, soziale und kulturelle Treffpunkte, die das private Zuhause und funktionale Orte wie den Arbeitsplatz ergänzen. Wir sind überzeugt: Dritte Orte sind ein zentrales Element der Infrastruktur für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Dritte Orte schaffen Begegnung.
Im besten Fall sind sie für alle Menschen zugänglich. Man kann kommen, ohne etwas zu kaufen, bleiben, ohne mitmachen zu müssen, und bei Interesse wiederkommen und selbst aktiv werden. Hier begegnen sich Menschen, die im Alltag wenig miteinander verbindet. Dritte Orte sind wichtige lokale Ankerpunkte und ermöglichen Austausch über gesellschaftliche Trennlinien hinweg.
Dritte Orte werden von Menschen für Menschen gestaltet.
Räume allein schaffen keine Begegnung. Hinter jedem funktionierenden Dritten Ort stehen Menschen, die zum Kommen und Mitmachen einladen, Verbindungen stiften, Konflikte moderieren und eine wertschätzende Atmosphäre schaffen. Sie kennen ihre Nachbarschaft und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Diese anspruchsvolle Arbeit nennen wir Begegnungsarbeit.
Dritte Orte schaffen Vertrauen und Zusammenhalt.
Sie bieten Anlässe, zusammenzukommen. Aus niedrigschwelligen Aktivitäten – vom Strickkurs über den Kreativtreff bis zum Feierabendchor – entstehen Beziehungen. Aus Beziehungen wächst Vertrauen, und Vertrauen bildet die Grundlage für ein offenes und konstruktives Miteinander. So leisten Dritte Orte einen wichtigen Beitrag zu einer lebendigen, demokratischen Kultur. Denn diese entsteht genau dort, wo Menschen auf andere Lebenswelten treffen, üben, Unterschiede auszuhalten, und lernen, gemeinsam Lösungen zu finden.
Dritte Orte eröffnen Möglichkeitsräume für Engagement.
Dritte Orte sind ein Zuhause für Menschen, die mitgestalten wollen. Als wichtige Kristallisationspunkte für nachhaltiges lokales Engagement laden sie dazu ein, Verantwortung zu übernehmen und das eigene Umfeld positiv zu verändern. Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit stärkt nicht nur jede Einzelne und jeden Einzelnen, sondern macht uns auch als Gesellschaft widerstandsfähiger.
Dritte Orte brauchen professionelle Strukturen.
Lokales Engagement ist zwar unverzichtbar, aber nicht ausreichend. Es braucht hauptamtliche Kräfte, die Kontinuität sichern, Netzwerke knüpfen und den Ort nachhaltig gestalten. Förderprogramme, die nur die Räume finanzieren, greifen zu kurz: Wer Dritte Orte stärken will, muss in die Menschen investieren, die sie mit Leben füllen.
Dritte Orte leben von Vielfalt und Vernetzung.
Ob Bibliothek oder Kulturzentrum, Leerstandsnutzung oder Neubau, ob aus zivilgesellschaftlichen Initiativen hervorgegangen oder kommunal getragen: Dritte Orte sind in Form, Größe und Trägerschaft vielfältig und ihre Stärke liegt gerade in der Vielfalt der Akteure und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Wenn engagierte Bürgerinnen und Bürger, kommunale Verwaltung, lokale Wirtschaft, Verbände und Vereine zusammenkommen, ergänzen sich Kompetenzen und Ressourcen werden gebündelt. So entstehen Orte, die mehr leisten können als es einzelnen Akteuren möglich wäre.
Unser Plädoyer
Wir brauchen mehr Dritte Orte – und wir müssen bestehende dauerhaft sichern. Sie gehören ins Zentrum kommunaler Infrastruktur, weil sie Menschen zusammenbringen, Räume für Engagement eröffnen und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Ein gestärkter sozialer Raum bildet das Fundament für ein lebendiges Miteinander und eine resiliente Demokratie. Die Investition in Dritte Orte lohnt sich. Deshalb laden wir Kommunen, Länder, Bund, lokale Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein, sie gemeinsam mit uns in dieser Rolle sichtbarer zu machen und zu unterstützen. Und wir laden die Menschen, die Dritte Orte betreiben, ein, sich mit uns zu einer starken Bewegung zusammenzuschließen und in einem lebendigen Netzwerk voneinander zu lernen.
Liste der Erstunterzeichnenden
Dieses Statement haben engagierte Organisationen und Einzelpersonen gemeinsam entwickelt und unterzeichnet. Uns verbindet das Ziel, Orte zu schaffen, an denen Menschen sich begegnen, mitgestalten und Zusammenhalt erleben. Wir sind überzeugt: Davon brauchen wir mehr – und sie gehören ins Herz kommunaler Infrastruktur. Deshalb machen wir ihre Bedeutung sichtbar und stärken sie gezielt. Unterstützen Sie uns und werden Sie Teil einer wachsenden Bewegung und eines lebendigen Netzwerks, in dem wir uns gegenseitig stärken und voneinander lernen.
