Geschäftstüchtig und gewaltbereit. Ein Überblick zur rechten Mischszene in Wurzen

Autor_innen: chronik.LE

Die Kleinstadt Wurzen im heutigen Landkreis Leipzig galt in den 1990er Jahren als eine der bundesweit ersten „national befreiten Zonen“. Seitdem ist hier eine beachtliche Kontinuität extrem rechter Aktivitäten zu beobachten. In der Dokumentation von chronik.LE sind für die Stadt an der Mulde seit 2008 beinahe 250 einzelne Vorfälle und Ereignisse verzeichnet. Die neonazistische Szene der Stadt verfügt mittlerweile über erhebliche finanzielle Ressourcen und erschließt sich neue Geschäftsfelder. Statt der NPD sitzen mit der AfD und dem „Neuen Forum für Wurzen“ (NFW) gleich zwei extrem rechte Gruppierungen im Stadtrat. Außerdem erfährt die rechte Szene mittlerweile wieder starken Zulauf durch die junge Generation.
Die Trennlinien zwischen unterschiedlichen Strukturen bleiben oftmals unscharf, es gibt zahlreiche Schnittmengen. Eine entscheidende Rolle sowohl für die lokale Vernetzung als auch für die Einbettung in überregionale Strukturen spielen einige herausragende Einzelpersonen. Diese sind einerseits unternehmerisch und in der Kommunalpolitik tätig, andererseits bieten sie mit ihren Aktivitäten und Angeboten im Bereich Kampfsport insbesondere für jüngere Leute einen attraktiven Anknüpfungspunkt. Zu beobachten ist zudem ein verstärkter Ankauf von Immobilien. Eher klassische Neonazi-Strukturen sind dagegen seit einiger Zeit weniger bedeutsam, auch wenn zuletzt wieder verstärkte Aktivitäten der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ beobachtet werden können.
In diesem Dossier beschreiben wir diese Entwicklungen mit einem Fokus auf die aktuelle Situation in Wurzen. Nach einem kurzen Rückblick in die 1990er Jahre werden die Bereiche Unternehmen und Immobilien, Kampfsport, Jugendgruppierungen und Kommunalpolitik beleuchtet. Aufgrund andauernder Veränderungsprozesse handelt es sich dabei nur um eine Momentaufnahme.

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