Offener Brief

Autor_innen: Freiberg für alle

Liebe Freibergerinnen und Freiberger,

mit Unverständnis, Sorge und immer größerem Zorn beobachten wir die montäglichen “Corona-Spaziergänge” durch Freiberg. Seit Monaten befinden wir uns in einer Pandemie und seit Kurzem spitzt sich die Situation zu wie nie zuvor. Die Krankenhäuser arbeiten am Limit und die Belastung der Pflegekräfte ist an einer Grenze, die für die gesamte Gesellschaft bedrohlich und anteilig bereits überschritten ist. Ausgerechnet in dieser Zeit gehen einige unserer Freiberger Mitbürgerinnen und Mitbürger gemeinsam mit Rechtsextremen wie den sogenannten “Freien Sachsen” auf die Straße und tragen damit erst recht zur Verbreitung des Virus bei.

Jetzt steht Weihnachten vor der Tür und vieles, was diese Zeit schön und besonders macht, ist nicht möglich. Unsere Kinder können nicht zum Weihnachtsmärchen ins Theater und wir können nicht mit unseren Familien zum gemütlichen Bummel auf den Christmarkt gehen. Wieder müssen wir kreativ werden und uns zuhause bei Laune halten, so gut es geht.

Der Blick über den Tellerrand zeigt: So niedrig wie in Sachsen ist die Impfquote nirgendwo anders in Deutschland. Gleichzeitig stecken sich hier so viele Leute mit dem Virus an wie nirgendwo sonst. Dass hier ein Zusammenhang besteht, liegt klar auf der Hand!

Jetzt befinden wir uns in einem lockdownähnlichen Zustand, Existenzen von Gewerbetreibenden sind gefährdet, wir können zum Teil unsere Berufe nicht ausüben, Kindergärten und Schulen sind geschlossen oder im eingeschränkten Regelbetrieb und wir wissen nicht, wie lange dieser Zustand dieses Mal andauert.

Wir sind sauer, wir sind wütend und wir wollen das nicht länger hinnehmen! Wir fordern die Spaziergänger auf, dieses weitere Befeuern der Pandemie zu unterlassen. Von der Politik erwarten wir, diese illegalen Demonstrationen nicht länger zu dulden. Es gelten Regeln und die gelten für alle. Wenn eine Versammlung momentan nur an einem Ort und nur für zehn Personen erlaubt ist, dann gilt das für alle. Diese Ungleichbehandlung erzeugt Frust, Unverständnis und stößt alle diejenigen vor den Kopf, die sich seit Monaten an die Einschränkungen halten.

Wir tun es nicht gerne, aber wir tragen die temporären Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus aus Verantwortungsgefühl unseren Mitmenschen gegenüber mit und im Vertrauen darauf, dass die von der Wissenschaft empfohlenen und von der Politik beschlossenen Maßnahmen notwendig sind, um noch viel größeren Schaden abzuwenden. Ebenso vertrauen wir darauf, dass diese Maßnahmen von den zuständigen Politikern und Institutionen auch in der Region durchgesetzt werden und wie versprochen sofort wieder aufgehoben werden, sobald es gesundheitlich vertretbar ist.

Lasst Freiberg nicht zum Abenteuerspielplatz der Rechtsextremen und Coronaleugner werden! Wir akzeptieren nicht, dass das Image Freibergs in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir wollen, dass weiterhin Touristinnen und Studenten aus aller Welt gerne hierher kommen und unseren Gastronominnen sowie Hoteliers und der Wirtschaft wichtige Einnahmen bescheren. Zur Zeit trendet #Freiberg in den sozialen Medien und der Ruf der Stadt und der Region werden nachhaltig beschädigt. Das darf nicht sein! Wir sind eine offene, freie Stadt und das wollen wir auch bleiben.

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Ein Statement unseres Mitglieds Junges Netzwerk Freiberg zum Offenen Brief findet Ihr hier (Instagram-Link)

Redaktion TolSax

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