Angriff auf Bon Courage e.V. in Borna

„Es braucht eine stärkere Zivilcourage jeder einzelnen Person“

In der Nacht zum 04. Mai 2016 wurde ein Mitglied des Netzwerkes Tolerantes Sachsen, der Verein Bon Courage e.V. in Borna angegriffen. Unbekannte zerstörten die Fensterscheiben mit Pflastersteinen und warfen eine übelriechende Flüssigkeit in die erst kürzlich neu eröffneten Vereinsräume.

“Der Anschlag gilt ohne Zweifel dem sozialen Engagement des Vereins und richtet sich wohl insbesondere gegen die Unterstützung von Geflüchteten im Landkreis Leipzig. Er ist somit ein Angriff auf die Solidarität, die gegenseitige Hilfe und das Mitgefühls. Gerade diese gilt es nun gemeinsam zu verteidigen und zu stärken”, so Bon Courage.

Bereits zwei Tage später setzte der Verein seine Arbeit fort und verlegte sein regelmäßiges Beratungsangebot für Geflüchtete symbolisch auf die Straße vor den Vereinsräumen.

Der Anschlag reiht sich in eine Folge jüngster Übergriffe in Borna: Anfang März hatten Unbekannt den Deutsch-Arabischen Kultur- und Bildungsverein verwüstet, ein Asylsuchender musste nach einem tätlichen Angriff im Krankenhaus operiert werden.

Wir verurteilen diese Angriffe auf das Schärfste. Unsere Solidarität gilt allen Engagierten vor Ort – wieder einmal wird deutlich, wie notwendig dieses Engagement und Zivilcourage sind.

Zum Solidaritätsaufruf

Das Netzwerk Tolerantes Sachsen begrüßt das schnelle Handeln der Stadt Borna, die dem Verein Interimsräume zur Verfügung stellte, ebenso wie die zügige Reaktion der Integrationsministerin Petra Köpping. Bei einem Besuch des Vereins am Tag nach dem Anschlag sagte sie laut taz nach einem Gespräch mit den Betroffenen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass es in Sachsen Orte gibt, an denen eine Atmosphäre der Angst herrscht und eine Unkultur des Wegschauens.“ Es sei beängstigend, dass es immer öfter zu „ungenierter Gewalt“ komme, so die Ministerin weiter.

Denn Borna ist kein Einzelfall: Gewalttätige Übergriffe und Anschläge auf Asylsuchende und Unterkünfte passieren in Sachsen beinahe täglich, wie die Chronik der Opferberatung des RAA-Sachsen e.V. dokumentiert. Immer wieder sehen sich auch Vereine, die sich für die Stärkung demokratischer Kultur und für ein weltoffenes Sachsen einsetzen, mit Angriffen konfrontiert. So wurde Ende März der Infoladen „La Bombonera“ in Limbach-Oberfrohna angegriffen, Ehrenamtliche des „Willkommensdienstes Chemnitz“ wurden körperlich attackiert und verletzt, in Meerane erhielten Flüchtlingshelfer gar Morddrohungen. Auch Mandatsträger und Parteien sind Ziele rechter Attacken.

Umso wichtiger ist es aus Sicht des Tolsax, dass Betroffene eine respektvolle Behandlung, Unterstützung und Solidarität erfahren. Sei es von der Verwaltung, der Polizei, lokalen Politiker_innen demokratischer Parteien und der Zivilgesellschaft. Sie müssen spüren, dass sie nicht alleine sind, sondern Viele hinter ihnen stehen.

Zum Nachhören | Sandra Münch von Bon Courage e.V. im Interview mit Radio Blau zu dem Anschlag und das Engagement des Vereins für Geflüchtete

Wer den Verein Bon Courage e.V. in Borna unterstützen möchte, kann dies ganz praktisch tun:

„Konkret brauchen wir Unterstützerinnen und Unterstützer, die helfen können, den Schaden schnellst möglich zu beheben und unsere Büroräume wieder nutzbar zu machen. Besonders auch finanzielle Mittel würden dabei helfen,“ so Bon Courage. „Zusätzlich und gleichzeitig braucht es aber eine stärkere Zivilcourage jeder einzelnen Person, damit sich der Hass gegen Menschen und das vermeintlich Andere nicht weiter ausbreiten können.“

Solidarität mit einer Spende zeigen:

Bon Courage e.V.

IBAN: DE 66 86 05 55 92 10 90 06 33 90

Sparkasse Leipzig

Stichwort: Spende

Für Rückfragen bei Bon Courage e.V.: Sandra Münch Telefon: 0157 75176855 Mail: info@boncourage.de Online: www.boncourage.de

Bon Courage e.V.

Bon Courage e.V. ist ein Bornaer Verein, der in Form von politischer Öffentlichkeits-, Aufklärungs- und Bildungsarbeit in die Gesellschaft hineinwirken möchte, um diese für ein solidarisches, von gegenseitigem Respekt geprägtem Miteinander zu sensibilisieren. Der Schwerpunkt vieler Projekte liegt zum einen auf der Unterstützung und Beratung von Asylsuchenden und zum anderen auf der Durchführung gedenkstättenpädagogischer Bildungsangebote.