Neonazis greifen am Sonntag Vereinssitz des NDK an

Täter kamen vom Fußballspiel des ATSV Wurzen gegen den Roten Stern Leipzig

Wurzen, den 13.05.2019: Am Sonntagnachmittag haben mehrere Neonazis das Haus des Netzwerks für Demokratische Kultur e.V. am Domplatz 5 in Wurzen angegriffen. Dabei wurden mehrere Kameras zerstört und Bierflaschen gegen die Fassade des historischen Gebäudes geworfen. Das NDK hat am Montag Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt.

Die einheitlich schwarz gekleideten und zum Teil vermummten Angreifer hatten zuvor das Heimspiels das ATSV Wurzen gegen den Roten Stern Leipzig besucht. Die Begegnung galt als Risikospiel und war extra auf Sonntag verlegt worden, damit die Polizei das Geschehen mit genügend Kräften absichern konnte. Die etwa 50 der rechten Szene zuzurechnenden jungen Männer riefen während des Spiels Parolen wie „Ob Ost, ob West, nieder mit der roten Pest“ oder auch „Ohne Bullen wärt ihr alle tot!“ in Richtung der Gästefans. Bereits kurz vor Ende der Spiels verließ ein großer Teil der Neonazis gegen 16:45 Uhr das Stadion. Während sich ein Teil von ihnen direkt zum Bahnhof begab, liefen etwa 30 von ihnen, Parolen, wie A.C.A.B. („All cops are bastards!“, auf deutsch „Alle Polizisten sind Bastarde!“) skandierend, in mehreren Gruppen zum Kultur- und Bürger_innenzentrum D5. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie sie gegen 17.15 Uhr anfangen, das Gebäude mit Flaschen zu attackieren. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich niemand in dem Gebäude auf. Kurze Zeit später sammelte sich der rechte Mob am Bahnhof.

„Es ist für uns unverständlich, wie es den Neonazis gelingen konnte, trotz Anwesenheit eines sehr hohen Aufgebots der Polizei in der Stadt unser Vereinsgebäude unbehelligt anzugreifen“, sagt NDK-Geschäftsführerin Martina Glass. „Der Polizeieinsatz muss dringend aufgearbeitet werden. Zudem erwarten wir, dass die Behörden jetzt zügig die Täter ermitteln und vor Gericht bringen.“ Der Verein hat der Polizei dazu am Montag Videoaufnahmen von dem Angriff übergeben.

In jüngster Vergangenheit war es in Wurzen bereits mehrfach zu Übergriffen durch Neonazis gekommen. Diese richteten sich zunächst vor allem gegen Geflüchtete und Migrant_innen. In der Silvesternacht 2018/19 waren zudem drei Personen in der Karl-Liebknecht-Straße von etwa 20 vermummten Jugendlichen angegriffen und bis in ihre Wohnung verfolgt worden. Ende April hatten mehrere Dutzend schwarz gekleidete Jugendliche das Fußballspiel der B-Junioren der BSG Chemie Leipzig beim ATSV Wurzen besucht und hinterher in der Stadt antisemitische Parolen wie „Juden Chemie“ gerufen.

Das NDK hat bereits im Januar 2019 auf die zu beobachtende Etablierung einer neuen Neonazi-Kameradschaft aufmerksam gemacht. Ein Teil dieser trainiert in einer etablierten rechten Kampfsport-Gruppe in Leipzig.

„Wir erwarten, dass Sicherheitsbehörden und Justiz jetzt handeln. Die Übergriffe müssen für die Täter Konsequenzen haben.“

Das NDK verweist in diesem Zusammenhang auf die Ankündigung von Ministerpräsident Michael Kretschmer Mitte März im Landtag („Wir müssen diese rechtsextremen Netzwerke zerschlagen.“).

14.05.2019, Nachtrag/ Korrektur:
Nach einem Hinweis durch die Polizei, möchten wir mitteilen, dass der Angriff auf das Kultur- und Bürger_innenzentrum D5 in Wurzen am Sonntag gegen 18.15 Uhr stattfand und nicht, wie in der vorangegangenen Pressemitteilung beschrieben, 17.15 Uhr. Demzufolge sind die Angreifer mutmaßlich nach dem Fußballspiel zum Wurzener Bahnhof gelaufen, wo sie sich, unter Beobachtung der Polizei, versammeltn konnten, um von dort aus in die Innenstadt und zum Domplatz zu ziehen. Wir bitten Sie, dies in Ihrer Berichterstattung zu beachten oder zu korrgieren. Herzlichen Dank

Siehe auch:
Neonaziangriff nach Fußballspiel in Wurzen
Veröffentlicht am Mai 14, 2019 von kohlhuber
https://soerenkohlhuber.wordpress.com/2019/05/14/neonaziangriff-nach-fussballspiel-in-wurzen/

Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. (NDK)

Das Netzwerk für Demokratische Kultur macht mit Bildungs- und Kulturprojekten Demokratie greifbar - in Wurzen und in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen.