PM: Keine Seife, keine dezentrale Unterbringung: Corona-Ausbruch in Geflüchtetenunterkunft in Kamenz

Autor_innen: Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.

Fahrlässiges behördliches Verhalten provoziert Corona-Ausbruch
In Kamenz ist das eingetreten, wovor die Flüchtlingsräte und Pro Asyl lange warnten: ein Corona-Ausbruch, wie er sich in einer Massenunterkunft kaum verhindern lässt. Nach Angaben des Landratsamts Bautzen haben sich 23 Personen mit dem Coronavirus infiziert, 60 weitere Personen wurden als direkte Kontaktpersonen ebenfalls in Quarantäne gesetzt. Es sind die Konsequenzen behördlicher Versäumnisse.

„Der Corona-Ausbruch hätte einfach verhindert werden können – hätte das Landratsamt Bautzen die Bewohner:innen der großen Gemeinschaftsunterkunft in Kamenz dezentral untergebracht. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 sahen wir an Beispielen im gesamten Bundesgebiet wie gefährlich Massenunterkünfte zu Pandemiezeiten sind: Suhl in Thüringen, Halberstadt in Sachsen-Anhalt, Ellwangen in Baden-Württemberg. Nach fast einem Jahr mit COVID-19 müsste die Behörde längst wissen, dass nur eine dezentrale Unterbringung gesundheitlichen Schutz für die Bewohner:innen bietet“, kommentiert Ralph Döcke, der Geflüchtete im Landkreis Bautzen ehrenamtlich unterstützt.

Verwehrte Hygienemittel, kein Schutz

„Nicht nur müssen wir auf engem Raum, mit geteilten Gemeinschaftsräumen wie Küche und Bad leben, uns werden noch nicht einmal grundlegende Hygienemittel wie Seife und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt“, so ein anonymer Bewohner der Einrichtung. Videos belegen die fehlende Ausstattung mit Hygienemitteln.

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Das Landratsamt argumentiert in der Antwort auf eine Presseanfrage des Sächsischen Flüchtlingsrates, Desinfektionsmittel und -spender seien regelmäßig entwendet worden. Diese Aussage stimmt nicht, schon lange gebe es keine Hygienemittel mehr, erklären Bewohner:innen. Jörg Eichler vom Sächsischen Flüchtlingsrat fügt hinzu: „Das Landratsamt ist zu Pandemiezeiten in der Pflicht, die Menschen mit ausreichend Seife, Desinfektionsmittel und medizinischen Masken auszustatten. Die Versorgung ist ganz besonders wichtig, wenn sich ein Teil der Bewohner:innen, Infizierte wie Kontaktpersonen, in Quarantäne befinden und selbst keine Hygienemittel beschaffen können.  Alles andere ist grob fahrlässig!“

Dezentrale Unterbringung JETZT!

Einige infizierte Bewohner:innen wurden nun mit großem Polizeiaufgebot in eine Gemeinschaftsunterkunft in Hoyerswerda verlegt. Das ändert nichts an der hohen Gefahr der Ketteninfektion in Massenunterkünften. Der Mediendienst Integration hat Infektionszahlen aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewertet, und kommt zu einem klaren Ergebnis. In den Bundesländern Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen, wo Schutzsuchende gezielt in „Ferienanlagen, Reha-Kliniken, Hotels und Jugendherbergen“ untergebracht wurden, stiegen die Zahlen „nicht noch stärker“ als es ohnehin schon der Fall war.  Eichler erklärt: „Wir fordern das Landratsamt Bautzen dringlich auf: bringt die Bewohner:innen endlich dezentral unter!“

Kontakt:
Ehrenamtliche Unterstützung
– Ralph Döcke –
Mail: R.Doecke@t-online.de

Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.
– Jörg Eichler –
Mobil: 01575 967 62 20
Mail: eichler@sfrev.de

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Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.

Der Sächsische Flüchtlingsrat e. V. engagiert sich seit 1991 für den Schutz geflüchteter Menschen und für menschenwürdige Unterbringungsbedingungen in Sachsen. Er ergreift Partei für die schutzwürdigen Interessen von Geflüchteten und sichert die öffentliche Kontrolle bei der Umsetzung des Asylverfahrens- sowie des Asylbewerberleistungsgesetzes in Sachsen. Weitere Aufgabenbereiche liegen in der Dokumentation und Veröffentlichung von Menschenrechtsverstößen in diesem Bereich.