Pressemitteilung zur Statistik 2018

317 rechtsmotivierte und rassistische Angriffe in Sachsen mit mindestens 481 Betroffenen – Anstieg der Angriffe von 229 um 38% – ein Mensch wurde getötet.

„Dieser Anstieg ist unter anderem auf die Ereignisse im Sommer in Chemnitz zurückzuführen. Mehrere tausend Rassist*innen, Rechte und Neonazis gingen mehrere Tage in Chemnitz auf die Straße. Bei Demonstrationen von AfD, Pro Chemnitz und Pegida instrumentalisierten sie die Tötung eines Menschen um gegen Geflüchtete, Migrant*innen, Linke und Medien zu hetzen und Gewalt auszuüben. Es häuften sich rassistisch motivierte Attacken in der Stadt, und es kam zu Anschlägen auf Restaurants. Eine Gruppe von Neonazis ging sogar als „Bürgerwehr“ gegen Migrant*innen vor, bis sie wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung festgenommen wurden.“

erläutert Andrea Hübler, Fachreferentin im Projekt Support für Betroffene rechter Gewalt des RAA Sachsen e.V., die Zunahme der Gewalt.

In Chemnitz (79) vervierfachten sich die Angriffe im Vergleich zum Vorjahr, wobei 81% während oder im Nachgang der Ausschreitungen im Sommer verübt wurden. Weitere Schwerpunkte blieben auch 2018 die Städte Dresden (60) und Leipzig (60) sowie der Landkreis Leipzig (24). Auch der Landkreis Nordsachsen (23) war mit einem deutlichen Anstieg eine Schwerpunktregion. Im Vogtlandkreis gab es ebenfalls einen Anstieg auf 16, sowie im Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge auf 11 und Görlitz auf 8 Angriffe. Rückgänge sind hingegen in den Landkreisen Bautzen (13), Zwickau (9), Meißen (4) und am deutlichsten im Erzgebirge (4) zu verzeichnen gewesen. Der Landkreis Mittelsachsen (6) verbleibt auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Der Großteil der Angriffe war rassistisch motiviert (208), 54 Angriffe richteten sich gegen politische Gegner*innen, darunter 20 gegen Journalist*innen. 11 Attacken waren gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung/ Identität gerichtet.

„Ein Mensch verlor im Jahr 2018 sein Leben. Am 17. April 2018 wurde der 27-jährige Christopher W. von drei Tätern brutal getötet. Mehrere Punkte sprechen dafür, dass seine sexuelle Orientierung das Motiv gewesen ist: die exzessive, brutale Tatbegehung spricht für ein Hassverbrechen, ebenso die Verortung der Beschuldigten im rechten Spektrum. Es ist bekannt, dass Christopher zuvor bereits von den Tätern, mit denen er bekannt war, entsprechend beschimpft und verletzt wurde. Auch von Seiten des Innenministeriums ist die Tat als politisch motiviert gewertet. Christopher W. ist damit das 17. Todesopfer rechter Gewalt in Sachsen seit 1990,“

führt Andrea Hübler aus.

Am häufigsten handelte es sich bei den Angriffen um Körperverletzungen (223), darunter 105 gefährliche, 117 einfache und 1 schwere. In 79 Fällen handelte es sich um eine Nötigung oder Bedrohung. 5 Brandstiftungen wurden verübt, darunter ein Anschlag auf ein Restaurant in Chemnitz.

Die Fachberatungsstelle Support für Betroffene rechter Gewalt des RAA Sachsen e.V. unterstützt in Sachsen seit 2005 Opfer rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt bei der Bewältigung der Tatfolgen und dokumentiert darüber hinaus diese Angriffe. Im Jahr 2018 konnten wir sachsenweit in 260 Beratungsfällen beratend und unterstützend zur Seite stehen.

Angesichts der massiven Angriffe aus rechten, rassistischen sowie antisemitischen Gründen in Sachsen, begrüßen wir die Initiative des Freistaates ein/e Opferschutzbeauftrage/n einzusetzen. Dies sollte jetzt zügig geschehen. Der/die Beauftragt/e muss insbesondere auch für Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt im Freistaat ansprechbar sein:

„Dies wäre ein klares Signal gegenüber den Täter*innen und ein wichtiger Schritt gegenüber den Opfern“,

so Robert Kusche Geschäftsführer des RAA Sachsen e.V..

Die Zusammenfassung der Statistik ist unter Nennung des Urhebers frei verwendbar und hier abrufbar.

Zur Statistik 2018

Support für Betroffene rechter Gewalt (RAA Sachsen)

Support - die Beratung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt des RAA Sachsen e.V. berät und unterstützt sowohl Betroffene als auch Angehörige, Freunde und Freundinnen der Betroffenen und Zeug_innen eines Angriffs.