Ausstieg aus der Demokratie: Extrem rechte Parallelstrukturen in Sachsen

Autor_innen: Else-Frenkel-Brunswik-Institut

Diese Ausgabe des EFBI Digital Reports analysiert, wie Akteure aus dem extrem rechten und verschwörungsideologischen Spektrum in Sachsen versuchen, gesellschaftliche Parallelstrukturen aufzubauen. Diese Vereinigungen der Selbstorganisation grenzen sich – oft aggressiv – von der demokratischen Mehrheitsgesellschaft ab und sehen sich im Widerstand zum politischen System. Dies umfasst die Reichsbürgerszene, die oft neonazistisch geprägte völkische Siedlungsbewegung und verwandte Spielarten wie die Anastasia-Bewegung ebenso wie Zusammenhänge und Einzelpersonen aus dem eher esoterisch-spirituellen Spektrum.

Gemein ist diesen antidemokratischen Bewegungen, dass sie die moderne, pluralistische Gesellschaft ablehnen und völkisch-romantische, auf Abgrenzung bedachte Ideale der Lebensgestaltung verfolgen. Innerhalb der Bewegungen sind verschwörungsideologische, rassistische und antisemitische Ressentiments sowie parawissenschaftliche, esoterische und neureligiöse Ansichten weit verbreitet, welche den Mitgliedern Gruppenzugehörigkeit und Identifikation bieten. Für Menschen, die getrieben sind von der Angst vor sozialen Veränderungen, vor der globalisierten Welt oder auch der Entfaltung sexueller Vielfalt, stillen diese Zusammenhänge die Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit. Gemeinsam haben die Gruppierungen oft auch die Vorstellung eines bevorstehenden Untergangs der Welt, wie wir sie kennen. Entsprechend stellen sie ihr Gemeinschaftsmodell der zusammenbrechenden Zivilisation als überdauernd gegenüber.

Telegram-Bots als wichtiger Bestandteil digitaler Infrastruktur

Der Report stellt die Ergebnisse des systematischen Monitorings sächsischer Telegram-Gruppen und Kanäle aus dem extrem rechten und verschwörungsideologischen Spektrum vor. Die Messung von Worthäufigkeiten weist dabei auf thematische Verschiebungen hin. Ebenso wurden Muster bei Weiterleitungen zwischen den erfassten Kanälen und Gruppen sowie auf Zugewinne und Verluste an Reichweite untersucht. Außerdem nehmen die Autorinnen und Autoren des Reports gesellschaftliche Absetzbewegungen in den Blick, die sich bei Reichsbürgerinnen und -bürgern, völkischen Siedlerinnen und Siedlern, radikalen Impfgegnerinnen und -gegnern sowie Esoterikerinnen und Esoterikern beobachten lassen.

Der Beitrag von Sophie Nissen und Benjamin Winkler wirft ein Licht auf die Reichsbürgerszene und deren Verbreitung im sächsischen Raum. Am Beispiel des sogenannten Gemeinwohlstaat Königreich Deutschland lassen sich exemplarisch Strukturen, Themen und Strategien dieser Szene aufzeigen. Nikolas Dietze untersucht in seinem Beitrag die Bedeutung des Telegramkanals LEISNIG.info für die völkische, rechtsextreme Siedler-Bewegung und das Projekt Zusammenrücken in Mittelsachen. Dabei wird eindrücklich deutlich, wie sehr analoge und digitale Strategien ineinandergreifen. Im Anschluss setzt der Beitrag von Anna Weers sich mit der im völkisch-esoterischen Anastasia-Spektrum zu verordnenden Freilern-Organisation Wissen schafft Freiheit der Brüder Leppe auseinander, die in Sachsen bereits viele regionale Gruppen aufweist. Abschließend geht Gideon Wetzel auf die Bedeutung nicht-öffentlicher Gruppen sowie – jedenfalls teilweise – verborgener digitaler Inhalte ein und erläutert die Rolle der regelmäßig eingesetzten Telegram-Bots, die wichtiger Bestandteil der digitalen Infrastruktur (nicht nur) sächsischer Antidemokratinnen und Antidemokraten sind.

Über das EFBI

Das an der Universität Leipzig angesiedelte Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) bildet eine Forschungsinfrastruktur in Sachsen, die demokratiefeindliche Einstellungen, Strukturen und Bestrebungen erforscht und dokumentiert. Im Vordergrund stehen dabei verschiedene Formen der Diskriminierung, die Strategien und Dynamiken rechts-autoritär motivierter Bündnisse und die Stärkung demokratischer Politik.

Pressekontakt

Pia Siemer

Referentin für Wissenschaftskommunikation
Strohsackpassage
Nikolaistr. 6-10
04109 Leipzig

Tel.: 0341/ 97-37892

E-Mail: pia.siemer@uni-leipzig.de

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