Starke und kreative Demokratieheld*innen mit sächsischem Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet

Direkt zum digitalen Festakt (youtube)

Autor_innen: Robert Lüdecke für Amadeu Antonio Stiftung

Mit einem digitalen Festakt aus der Universitätsbibliothek „Albertina“ zu Leipzig wurden am Dienstagabend fünf Initiativen und eine Kommune mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2020 ausgezeichnet.

Die Nominierungen für den Preis in diesem Jahr zeigen, dass Menschen mit ihren engagierten Initiativen in der Lage sind, auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen schnell zu reagieren. Sie wenden sich den Fragen zu, wie wir die Demokratie in unserer Gesellschaft stärken können und schaffen Orte, die für einen demokratischen Zusammenhalt stehen. Sie überlassen das Feld nicht denjenigen, die unsere Institutionen und damit unsere Demokratie bekämpfen wollen,“ erklärt die Sächsische Staatsministerin für Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung, Katja Meier.

Die Jury entschied sich in diesem Jahr für die Vergabe von zwei Hauptpreisen sowie einem Kommunenpreis, dotiert mit jeweils 3000€.

Karawane der Vernunft“ ist der Name einer Initiative, welche im Frühjahr diesen Jahres mit einem Autokorso auf der Bundesstraße 96 den „stillen Protest“ einiger Anwohner*innen konfrontierten. Grund für die Aktion, welche u.a. von Partysahnen e.V., Gewerkschaften und dem Gerhart Hauptmann Theater Görlitz/Zittau organisiert wurde, waren die mit dem „stillen Protest“ verbundenen rechtsextremen, reichs- und verschwörungsideologischen Inhalte, welche hier vertreten werden. Die Initiative engagiert sich damit in schwierigen Zeiten und in einer für demokratische Akteur*innen nicht einfachen Region für die Stärkung demokratischer Positionen.

Diskriminierung, beispielsweise Sexismus und Rassismus, sind im Fußball leider allgegenwärtig. Insbesondere in den ländlichen Regionen sind Fußballvereine ein wichtiger Ort des gesellschaftlichen Miteinander. Will man etwas gegen Diskriminierung unternehmen, sollte man hier ansetzen, so die „Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport Fußball (IVF)“, welche heute mit dem zweiten Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Die Initiative bietet Vereinen an, in Workshops über Werte und das Miteinander zu sprechen, um damit Diskriminierung vorzubeugen. Der Rote Stern Leipzig 99 e.V. hat die Initiative gegründet, nach dem dieser selbst Diskriminierungserfahrungen machte.

Der Kommunenpreis (Dotierung: 3000€) des Sächsischen Förderpreis für Demokratie würdigt Kommunen, die das demokratische und anti-diskriminierende Engagement ihrer Bürger*innen unterstützen. In diesem Jahr geht der Preis an die Stadt Leipzig. Mit dem Projekt „Du bist nicht allein!“ setzt sich die Stadt Leipzig zusammen mit Partner*innen aus der Zivilgesellschaft dafür ein, dass LGBTIQ-Personen im ländlichen Raum ein Zeichen der Solidarität und der Unterstützung erfahren. Hintergrund der Aktion war der erste Lockdown im Frühjahr. Insbesondere für LGTBIQ-Personen jenseits der Großstädte war diese Zeit eine schwierige Herausforderung, da sie noch stärker gesellschaftlich isoliert waren als sonst.

Drei mit je 1000 Euro dotierte Anerkennungspreise wurden verliehen an:

  • das Ariowitsch-Haus Leipzig für seine Projekte zum Abbau von Antisemitismus
  •  den LSVD Sachsen e.V. für das „Information Center for LGBTI Refugees“
  • den Offener Dialog e.V. für seine Krisenbegleitung für Menschen in starker persönlicher Not

Die Festschrift zur Preisverlehung steht hier zum Download bereit.

Der Sächsische Förderpreis für Demokratie wird ausgelobt von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung, der Sebastian Cobler Stiftung, der Dirk Oelbermann Stiftung und der Doris-Wuppermann-Stiftung. Er wird seit 2007 jährlich vergeben. In diesem Jahr wählte die Jury aus 50 Bewerbungen die Preisträger*innen aus.

Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung reagiert auf eine rechtsextreme Alltagskultur, die sich vor allem in den neuen Bundesländern verankert hat. Das Ziel der Stiftung ist es, eine zivile Gesellschaft zu stärken, die dem Problem entschieden entgegentritt. Dafür unterstützt sie Initiativen und Projekte, die kontinuierlich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus vorgehen, sich für eine demokratische Kultur engagieren und für den Schutz von Minderheiten eintreten. Die wichtigste Aufgabe der Amadeu Antonio Stiftung: Lokale Akteurinnen und Akteure über eine finanzielle Unterstützung hinaus zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken.